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"Erlanger Silberkatheter" senkt Infektionsrisiko und Behandlungskosten

 

Eine exklusiv von Siemens vertriebene Neuentwicklung kann dazu beitragen, in der Intensivmedizin immer wieder auftretende Infektionen drastisch zu vermindern, dadurch zahlreiche Leben zu retten und Behandlungskosten deutlich zu senken. Studien belegen, daß ein in Erlangen neu entwickelter Katheter, der "Erlanger Silberkatheter" , die bei Kathetereinsatz zu erwartende Infektionsrate um über 70 Prozent verringert. Der neue Katheter, für den jetzt die Siemens AG die weltweiten Vertriebsrechte exklusiv erhalten hat , ist eine Entwicklung der ArgenTec-Medizintechnik GmbH & Co KG. Unter dem Namen SICURIS wird die Neuentwicklung der internationalen Fachwelt auf der Interhospital '98 in Hannover
(12. - 15. Mai 1998) vorgestellt. 

Durch Katheter nervorgerufene oder begünstigte Infektionen stellen trotz zahlreicher präventiver und therapeutischer Bemühungen ein großes medizinisches Problem dar. Immer noch beträgt die Moralität bis zu zehn Prozent, und die Kosten für einen verlängerten stationären Aufenthalt bei katheter-assoziierter Infektion belaufen sich pro Patient auf 10.000,- DM und mehr. Bei z. B. jährlich 13 Millionen weltweit gelegten Kathetern können nach Auffassung von Medizinstatistikern bis zu 3 Millionen Infektionen auftreten. Der antimikrobiell wirksame "Erlanger Silberkatheter" soll diese Infektionsrisiken und Kosten in der Intensivmedizin deutlich reduzieren. 

Das Lieferspektrum umfaßt bei Lieferbeginn die Kathetertypen: Subclaviakatheter 1 - bis 4-lumig und Hickmannkatheter 1- bis 2-lumig. Subclaviakatheter werden überwiegend zur Durchführung parenteraler medikamentöser Therapie, Flüssigkeitssubsitution und Ernährung eingesetzt Hickmannkatheter werden fast ausschließlich im onkologischen Bereich zur intravenösen Therapie über mehrere Monate hinweg verwendet. Zwischen Siemens und ArgenTec wurde vereinbart, weitere Silberkatheter-Typen zu entwickeln, herzustellen und klinisch zu erproben. 

Der Silberkatheter wurde in Erlangen an der Klinik mit Poliklinik für Kinder und Jugendliche der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg unter Leitung von Prof. Dr. J. Peter Guggenbichler gemeinsam mit ArgenTec entwickelt. Ähnlich wie in der Erwachsenenmedizin sind die Kinder auf der Intensivstation besonders durch eine katheterassoziierte Infektion oder Sepsis gefährdet. Diese Probleme führten in Erlangen zur intensiven Erforschung eines antimikrobiell wirksamen Kunststoffmaterials, dessen Einsatz keine Veränderung der Biokompatibilität zur Folge hatte und die oft lebensbedrohlichen katheterassoziierten Infektionen verringerte. 

Gegenwärtig werden weltweit große Anstrengungen zur Entwicklung eines antimikrobiell wirksamen Polymers zur Prävention dieser schweren Komplikationen gemacht. Die Imprägnierung mit Antibiotika hat sich als nicht zielführend erwiesen, da sie nur wenige Tage wirksam ist. Außerdem führen antibiotika-imprägnierte Katheter zur Entwicklung resistenter Mikroorganismen, deren Behandlung sich überaus schwierig gestaltet. Silber ist als antibakterielle Substanz bereits seit langem bekannt. Durch eine an der Universität Erlangen entwickelte neue Technologie ist es nun erstmals möglich Silber feinst verteilt in Kunststoffe homogen einzubringen Die langsame Herauslösung von Silberionen aus der Kunststoff-Silber-Masse führt zu einer schwer besiedelbaren Oberfläche mit bakterizider Wirksamkeit nicht nur an der Außenseite, sondern auch im Lumen. Eine wesentliche Reduktion schwerer septischer Komplikationen ist die Folge. Durch Entwicklung neuer experimenteller Methoden wurden die antimikrobielle Wirksamkeit, die Thrombogenität und die Verträglichkeit in vitro untersucht. Die Gewebeverträglichkeit wurde dokumentiert. 

Im Dezember 41 995 wurde mit der klinischen Prüfung des "Erlanger Silberkatheters" begonnen Die Prüfung wurde als offen randomisierte, vergleichende Untersuchung zur Erfassung der Wirksamkeit und Verträglichkeit von silberimprägnierten Verweilkathetern bei Intensivpatienten, durchgeführt. Bis zum 22. 11. 1997 wurden an der Universitätsklinik Erlangen (chirurgische Intensivstation, neurochirurgische Intensivstation und Intensivstation der inneren Medizin 1) 305 Katheter (164 mit Silber / 141 aus herkömmlichem Material zur Kontrolle) in die Studie aufgenommen, Die Bewertung der Zielvariable "katheterassoziierte Infektion" erfolgte anhand des mikrobiologischen Befundes (Blutkultur, Abstrich von der Kathetereintrittsstelle, Katheterspitze) und eines speziell entwickelten klinischen Scores. Aus diesen Daten konnte mit dem "Erlanger Silberkatheter" eine Reduktion der Katheterbesiedlung um 37.7% nachgewiesen werden. Das Auftreten einer schweren katheterassoziierten Infektion. d. h, einer septischen Komplikation, konnte bei den Silberkathetern gegenüber der Kontrollgruppe um 62.5% reduziert werden. Dislokationen, Thrombosen oder Materialbrüche wurden während der klinischen Prüfung nicht beobachtet. 

Im Rahmen der multizentrischen Studie wurden an der Universitätsklinik Padua (Italien) 101 Katheter nach dem gleichen Prüfplan implantiert und 97 Katheter untersucht. Bei gleicher Gewichtsverteilung und etwa gleicher Liegedauer der Patienten fanden sich keine Unterschiede in der Besiedelbarkeit der Katheter, aber fünf gesicherte Katheterinfektionen in der Kontrollgruppe und keine in der Silbergruppe. Dies unterstreicht die klinische Wirksamkeit des "Erlanger Silberkatheters" Insgesamt wurde bei 503 Patienten mit Silber- oder Kontrollkathetern in der Untersuchung die Infektionsrate um 70,5% (statistische Signifikanz 0.0014) gesenkt. Weitere Studien werden gegenwärtig an der Universitätsklinik Regensburg, im Allgemeinen Krankenhaus Wien und an der Klinik Padua mit insgesamt 350 Patienten durchgeführt Bisher vorliegende Ergebnisse bestätigen ebenfalls die erfolgreiche Infektionsreduktion des "Erlanger Silberkatheters".

 

 

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