Neue OP Methode
nimmt der Hämorrhoidektomie ihren Schrecken
von Dr. med. Jochen
Kubitschek
Obgleich die meisten Erwachsene
über Hämorrhoiden - bzw. das was sie dafür halten – klagen,
kommt dieses Volksleiden in der ärztlichen Ausbildung viel
zu kurz. Die Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie
und der Berufsverband der Koloproktologen Deutschlands
gehen davon aus, dass 80% der erwachsenen Bevölkerung während
ihres Lebens mehr oder weniger intensiv Probleme mit Hämorrhoiden
haben.
Heute sind sich die Koloproktologen
darin einig, dass nur bei einem vergleichsweise kleinem Teil
der Hämorrhoiden-Patienten operative Maßnahmen erforderlich
sind. Nur wenn die ansonsten üblichen Therapieverfahren wie
Sklerosierung und Gummibandligatur nicht mehr ausreichen,
kann auf eine Operation nicht verzichtet werden.
Viele Patienten fürchten sich
vor derartigen Eingriffen wegen der damit verbundenen Schmerzen.
Daher stößt in den Fachkreisen eine neue Operationsmethode
auf großes Interesse, die jetzt auch in Deutschland – zum
Beispiel an der St. Hedwig-Klinik Mannheim, Abt. für
Enddarm-Chirurgie, zum Einsatz kommt.
Das Enddarm-Zentrum Mannheim
hat das völlig neue Operationsverfahren bereits bei über 300
Hämorrhoiden-Patienten erfolgreich angewandt. Die innovative
Methode ist mit deutlich weniger (oder gar keinen) Schmerzen
und einem erheblich verkürzten Klinikaufenthalt verbunden.
Derzeit werden in Mannheim etwa
5-10% aller Hämorrhoiden-Patienten operiert - die Eingriffe
sind mit einem längeren stationären Klinikaufenthalt verbunden.
Die derzeitige Standardoperation hat zwar gegenüber früheren
Verfahren einen Großteil ihrer Schrecken verloren, trotzdem
sind die nach-operativen Wunden schmerzhaft und benötigen
für ihre Heilung oft mehrere Wochen. Besonders gilt dies bei
den nicht selten notwendigen plastisch-chirurgischen Verfahren.
Längere Arbeitsunfähigkeit ist damit unvermeidbar.
Ein führendes Spezialisten-Team
aus Italien (Professor Longo, Palermo) hat vor einem
Jahr in Uppsala, Schweden , ein Verfahren vorgestellt,
mit dem bei den meisten operationsbedürftigen Patienten diese
Nachteile vermieden werden können. Die von Prof. Longo
entwickelte Methode ist bestechend einfach: ein Klammerrundgerät,
das normalerweise für Darmnähte verwendet wird, entfernt durch
den After das überflüssige Hämorrhoidalgewebe mit der überstehenden
Mastdarmschleimhaut. Die Wunde im Enddarm (kurz oberhalb des
Afterkanals) wird mittels Titanklammern verschlossen; diese
lösen sich im Lauf der folgenden Wochen ab. Der schmerzempfindlich
Afterkanal wird bei dieser Operation nicht berührt; sie ist
dadurch fast oder manchmal sogar völlig schmerzfrei.
An der Enddarm-Chirurgischen
Abteilung der St. Hedwig-Klinik Mannheim hat sich diese
Methode nach über 300 Operationen zur Standardmethode entwickelt.
Die Vorteile dieser Operationsmethode überzeugen: keine Wunde
im Bereich des schmerzempfindlichen Afterkanals, keine Störung
der Schließmuskelfunktion sowie praktisch keine Schmerzen
nach der Operation. Nachblutungen können praktisch nicht mehr
auftreten, und damit verkürzt sich der Krankenhausaufenthalt
erheblich. Darüber hinaus tritt das sonst übliche Nässen bzw.
Eitern der Wundheilung nicht mehr auf.
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